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SaaS-Kosten reduzieren: 5 Strategien für Agenturen

Ben Oestreich

10. März 2026 · 6 Min. Lesezeit

SaaS-Kosten reduzieren: 5 Strategien für Agenturen

Warum Agenturen zu viel für Tools zahlen

Die durchschnittliche Agentur nutzt 12 bis 15 verschiedene SaaS-Tools. Jedes einzelne kostet zwischen 20 und 200 EUR pro Nutzer und Monat. Bei einem Team von 10 Personen summiert sich das schnell auf 5.000 bis 15.000 EUR monatlich.

Das Problem ist nicht, dass diese Tools schlecht sind. Das Problem ist die Summe. Jedes Tool wurde einzeln eingeführt, weil es ein spezifisches Problem löste. Aber niemand hat je die Gesamtkosten betrachtet -- und niemand hinterfragt regelmäßig, ob jedes Tool noch gebraucht wird.

Dazu kommen die versteckten Kosten: Datenpflege in mehreren Systemen, Workarounds zwischen Tools, die nicht miteinander sprechen, und verlorene Informationen an Schnittstellen. Diese versteckten Kosten übersteigen die Lizenzgebühren oft um das Drei- bis Fünffache.

Die gute Nachricht: Mit einem strukturierten Ansatz lassen sich die SaaS-Kosten um 30 bis 40 Prozent senken -- ohne auf Funktionalität zu verzichten.

Strategie 1: Tool-Audit durchführen

Der erste und wichtigste Schritt ist Transparenz. Erstelle eine vollständige Liste aller Tools, die in deinem Unternehmen genutzt werden. Nicht nur die offiziell eingeführten, sondern auch die, die einzelne Teammitglieder auf eigene Faust abonniert haben -- die sogenannte Shadow-IT.

So führst du ein Tool-Audit durch:

1. Bestandsaufnahme: Sammle alle SaaS-Abonnements. Prüfe Kreditkartenabrechnungen, PayPal-Transaktionen und Bankauszüge. Du wirst überrascht sein, wie viele Tools du findest, die niemand mehr aktiv nutzt.

2. Nutzungsanalyse: Für jedes Tool: Wie viele Teammitglieder nutzen es tatsächlich? Wie oft? Welche Features werden genutzt, welche nicht? Die meisten SaaS-Anbieter bieten Admin-Dashboards mit Nutzungsstatistiken.

3. Überlappungsanalyse: Welche Funktionen werden von mehreren Tools abgedeckt? Es ist nicht ungewöhnlich, dass Agenturen drei verschiedene Tools mit Kanban-Boards nutzen oder zwei verschiedene Systeme für Zeiterfassung haben.

4. Kostenübersicht: Liste alle monatlichen und jährlichen Kosten auf. Vergiss nicht: Manche Tools haben versteckte Kosten wie API-Calls, zusätzliche Nutzer oder Storage-Limits.

Typisches Ergebnis: In den meisten Agenturen gibt es 2 bis 4 Tools, die zwar bezahlt, aber kaum oder gar nicht genutzt werden. Deren sofortige Kündigung bringt eine Ersparnis von 100 bis 500 EUR pro Monat -- ohne dass jemand etwas vermisst.

Strategie 2: Verträge verhandeln

Viele Teams akzeptieren die angezeigten Preise als gegeben. Das ist ein teurer Fehler. SaaS-Anbieter haben Spielraum -- besonders wenn du weißt, wie du verhandelst.

Hebel für Verhandlungen:

  • Jährliche Zahlung: Die meisten Anbieter bieten 20 bis 30 Prozent Rabatt für jährliche statt monatliche Abrechnung. Bei einem Tool, das 100 EUR/Monat kostet, sparst du so 240 bis 360 EUR im Jahr -- pro Tool.
  • Volumenrabatte: Ab einer gewissen Teamgröße (oft schon ab 5 Nutzern) gibt es Staffelpreise. Frag aktiv danach -- sie werden selten proaktiv angeboten.
  • Wettbewerbsangebote: Hol dir Angebote von Wettbewerbern ein. Nichts motiviert einen Account Manager mehr als die konkrete Aussicht, den Deal an die Konkurrenz zu verlieren.
  • Startup- oder Agenturprogramme: Viele Anbieter haben spezielle Programme für Agenturen oder kleine Unternehmen mit deutlich reduzierten Preisen. Notion, Figma, HubSpot und viele andere bieten solche Programme an.
  • Vertragsverlängerung als Hebel: Kurz vor dem Renewal-Datum ist die beste Zeit zum Verhandeln. Der Anbieter hat einen Anreiz, dich als Kunden zu halten.

Realistisches Sparpotenzial: 15 bis 25 Prozent auf die Gesamtkosten sind durch Verhandlungen allein erreichbar.

Strategie 3: Alternativen prüfen

Für fast jedes Enterprise-Tool gibt es günstigere Alternativen, die 80 Prozent der Funktionen abdecken. Die Frage ist: Brauchst du die restlichen 20 Prozent wirklich?

Konkrete Beispiele:

Teures Tool: HubSpot Professional | Günstigere Alternative: HubSpot Free + Ergänzungen | Typische Ersparnis: 500-1.500 EUR/Monat Teures Tool: Asana Business | Günstigere Alternative: ClickUp (Free/Unlimited) | Typische Ersparnis: 100-300 EUR/Monat Teures Tool: Slack Pro | Günstigere Alternative: Slack Free + Discord für intern | Typische Ersparnis: 50-150 EUR/Monat Teures Tool: Adobe Creative Cloud | Günstigere Alternative: Figma + Canva Pro | Typische Ersparnis: 200-400 EUR/Monat Teures Tool: Salesforce | Günstigere Alternative: Pipedrive oder HubSpot Free | Typische Ersparnis: 500-2.000 EUR/Monat

Wichtig: Ein Tool-Wechsel macht nur Sinn, wenn die Migration sauber geplant wird und die Alternative die kritischen Funktionen abdeckt. Wechsle nicht blind -- aber prüfe regelmäßig, ob es neue Optionen auf dem Markt gibt.

Strategie 4: Integrationen statt Tools

Statt für jede Aufgabe ein eigenes Tool zu nutzen, prüfe, ob bestehende Tools die Funktion übernehmen können. Ein gut vernetztes System aus 5 Tools schlägt 15 isolierte Tools -- in Funktionalität, Kosten und Benutzerfreundlichkeit.

Der Schlüssel: Native Integrationen

Bevor du ein neues Tool einführst, stelle drei Fragen: 1. Kann ein bestehendes Tool diese Funktion übernehmen? 2. Gibt es eine native Integration zwischen den Tools, die du bereits nutzt? 3. Rechtfertigt der Mehrwert die zusätzlichen Kosten und die Komplexität?

Beispiel aus der Praxis: Eine Agentur nutzte Harvest für Zeiterfassung, Asana für Projektmanagement und ein separates Google Sheet für Ressourcenplanung. Nach der Konsolidierung lief alles über ClickUp -- ein Tool statt drei, bessere Datenqualität und 215 EUR monatliche Ersparnis.

Strategie 5: Eigenes System bauen

Ab einer gewissen Größe lohnt sich ein maßgeschneidertes System. Die Investition amortisiert sich oft innerhalb von 6 bis 12 Monaten -- und danach bist du unabhängig von Preiserhöhungen.

Wann sich ein eigenes System rechnet:

  • Du zahlst mehr als 1.000 EUR pro Monat für SaaS-Tools
  • Dein Team besteht aus mehr als 8 Personen
  • Du nutzt mehr als 5 verschiedene Tools
  • Du verbringst signifikante Zeit mit Datensynchronisation zwischen Tools
  • DSGVO-Konformität ist dir wichtig

Die Rechnung:

Kostenposition: Monatliche Kosten (nach Amortisation) | SaaS-Stack (Status quo): 1.200-3.000 EUR | Eigenes System: 100-150 EUR Kostenposition: Jährliche Kosten | SaaS-Stack (Status quo): 14.400-36.000 EUR | Eigenes System: 1.200-1.800 EUR Kostenposition: Vendor Lock-in | SaaS-Stack (Status quo): Hoch | Eigenes System: Keiner Kostenposition: DSGVO | SaaS-Stack (Status quo): Grauzone | Eigenes System: Konform Kostenposition: Anpassbarkeit | SaaS-Stack (Status quo): Begrenzt | Eigenes System: Unbegrenzt

Natürlich erfordert ein eigenes System eine initiale Investition. Aber bei den Kostenunterschieden liegt die Amortisationszeit typischerweise bei 6 bis 12 Monaten. Danach sparst du jeden Monat -- dauerhaft.

Der Aktionsplan: Sofort starten

Du musst nicht alle fünf Strategien gleichzeitig umsetzen. Starte mit dem, was den schnellsten Effekt bringt:

Diese Woche: Tool-Audit durchführen. Liste alle Tools und Kosten auf.

Diesen Monat: Ungenutzte Tools kündigen. Verträge prüfen und nachverhandeln.

Dieses Quartal: Alternativen evaluieren. Konsolidierungspotenzial identifizieren.

Dieses Halbjahr: Entscheidung treffen: Konsolidieren oder eigenes System?

Fazit

SaaS-Kosten sind kein Naturgesetz. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen -- und Entscheidungen können geändert werden. Mit einem strukturierten Ansatz kannst du 30 bis 40 Prozent deiner Tool-Kosten einsparen, ohne auf Funktionalität zu verzichten. Und wenn du den Schritt zum eigenen System wagst, sparst du langfristig noch deutlich mehr.

Ben Oestreich

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